Mit dem ersten Newsletter 2013 stellen wir Ihnen zwei Publikationen von Herrn James Hall und Frau Julia Jäkel, den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Bayerischen Entwicklungsstudie vor.

Frühgeburtlichkeit und Mangelgeburtlichkeit als Risikofaktoren für emotionale Probleme im Alter zwischen 6 und 13 Jahren.

(A comparison of prematurity and small for gestational age as risk factors for age 6–13year emotional problems, Hall, J. & Wolke, D. (2012), Early Human Development, 88 (10):797-804)
Diese Arbeit  untersuchte das Auftreten von emotionalen Problemen im Alter zwischen 6 und 13 Jahren in unserer Studiengruppe. Insbesondere interessierte hier der Vergleich von Frühgeborenen und Mangelgeborenen (Geburtsgewicht unter  der 10. Perzentile). Für das Alter von 6 und 8 Jahren wurden die Daten der Child Behavior Checklist gewählt. Dies ist ein Verhaltens-Fragebogen über Probleme wie  Ängstlichkeit, Depressionen, körperliche Beschwerden, sozialen Rückzug, Schlafprobleme, Aufmerksamkeitsprobleme und aggressives Verhalten. Im Alter von 13 Jahren wurden der Strengths and Difficulties Questionnaire verwendet. Dies ist ein Fragebogen zu Verhaltensauffälligkeiten und -stärken bei Kindern und Jugendlichen mit den Themen emotionale Probleme, Verhaltensauffälligkeiten,  Hyperaktivität, Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen und prosoziales Verhalten.

Ergebnisse: Für die Alterspanne von 6-13 Jahren wurden zwei verschiedene Muster zum Verlauf von emotionalen Problemen nachgewiesen:

  1. Bei 76% der Kinder fand sich ein über die Jahre gleichbleibend niedriges Problemniveau.
  2. Bei den restlichen 24% der Patienten war ein über die Jahre gleichbleibend hohes Problemniveau nachweisbar.

Das vom 6. bis zum 13. Lebensjahr gleichbleibend hohe Muster emotionaler Probleme war nachweislich  gehäuft bei Frühgeborenen zu finden. Es fand sich dagegen kein Zusammenhang mit der Mangelgeburtlichkeit. Zusätzlich waren in dieser Gruppe vermehrt männliche Kinder und Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status vertreten.

Schlussfolgerung:

Die beobachtete Stabilität  emotionaler Probleme im Alter zwischen 6 und 13 Jahren macht erneut klar, dass sehr frühgeborene Kinder besonders frühe Interventionstherapien benötigen. Weitere Analysen versuchen herauszufinden welche Faktoren in der Umwelt ggfs. modifizierbar sind, um erhöhte emotionale Probleme bei Frühgeborenen zu erklären.

Geschlechtsspezifische Auswirkungen von Frühgeburtlichkeit und Mangelgeburtlichkeit auf Aufmerksamkeitsprobleme im Alter von 6 Jahren

(Gender distinctive impacts of prematurity and small gestational age on age-6 attention problems, Hall, J. & Wolke, D. (2012), Child and Adolescent Mental Health 17, No. 4, 2012, pp. 238–245)

Für diese Arbeit wurden in unserer Studiengruppe Frühgeborene und Mangelgeborene (Geburtsgewicht unter  der 10. Perzentile) im Alter von 6 Jahren verglichen. Hierfür wurden erneut die Daten aus der Child Behavior Checklist (s.o.) und zusätzlich die Daten des Tester´s Rating of Child Behavior verwendet. Letzterer ist ein Beobachtungsfragebogen bei dem der Untersucher unter anderem Anpassungsfähigkeit, Stimmung, Aktivität, Aufmerksamkeit und Ausdauer des Kindes bewertet.

Ergebnisse:

Obwohl Frühgeburtlichkeit  und Mangelgeburtlichkeit  bekannte Risikofaktoren für Aufmerksamkeitsprobleme im Kindesalter darstellen, bleibt der Mechanismus ihres Effektes unklar. Bei Mangelgeborenen korreliert ein Aufmerksamkeitsproblem im Alter von 6 Jahren mit einem  reduzierten Kopfumfang (Hirnvolumen). Dagegen führt Frühgeburtlichkeit im gleichen Alter zu  Auswirkungen aufgrund einer veränderten Hirnfunktion. Aufmerksamkeitsprobleme nach einer Früh- und/ oder Mangelgeburt sind seltener bei Mädchen als bei Jungen, allerdings ausgeprägter wenn diese nach Mangelgeburt auftreten.

Schlussfolgerung:

Frühe Interventionen sollten darauf abzielen, das nachgeburtliche Wachstum des Gehirns zu verbessern. Davon könnte eine Reduktion späterer
Aufmerksamkeitsprobleme erwartet werden. Diese Untersuchungen zeigen erneut, dass bei der Analyse von früh- / und mangelgeborenen Kindern im mittleren Alter Geschlechtsdifferenzen unbedingt beachtet werden müssen.

Die vollständigen Publikationen können Sie auf unserer Internetseite www.bayerische-entwicklungsstudie.de unter dem Menüpunkt Publikationen nachlesen.

Nachrichten aus dem Studienteam:

Die Untersuchungen von Frau Dr. Jäkel, unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterin, werden ab dem 1. Januar 2013 durch Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt. Dies ist eine große Anerkennung Ihrer Arbeit und macht uns stolz.

Zusätzliche Förderung zum Verständnis von Lernproblemen und Mathematikfähigkeiten nach Frühgeburt, die auch die BEST Studie einbezieht, konnte seit Anfang 2013 von der Nuffield Foundation gewonnen werden (Leitung Prof. D. Wolke; http://www.nuffieldfoundation.org/impact-premature-birth-maths-achievement-and-schooling).

Herr James Hall, aus der Studiengruppe England, scheidet aus dem Team aus. Mit seinen Publikationen konnte er seinen Arbeitsauftrag abschließen. Dr. Suna Erygit Madwamuse hat eine neue Stelle für die Datenanalysen der BEST übernommen.

Auch in Bonn gab es Veränderung. Zum 1. März endete die Stelle von Frau van Rossum. Sie hat ihre Rekrutierungsarbeit für die Studie erfolgreich beendet. Herr Koch wird weiterhin Kontakt zu den Studienteilnehmern halten. Frau Claudia Grünzinger unterstützt seit Dezember 2012 Frau Busch bei der Durchführung der Elterninterviews.

In Augsburg ist das Team der Psychologinnen bis auf Frau Diana Kurze geschrumpft. Sie wird die letzten, noch ausstehenden Untersuchungen durchführen.

Die beiden Kernspinteams in München und Bonn werden durch die Doktoranden Josef Bäuml und Thomas Runkel verstärkt.

Jetzt möchten wir gerne nochmals in eigener Sache werben:

Von den gut 700 Probanden der Studie, konnten wir nach 13 Jahren, in denen keine Erhebungen stattfanden, zu über 90 % erneut Kontakt aufbauen. Ca. 490 Probanden haben bereits am psychologischen Interview und  200 an der Untersuchung im MRT teilgenommen. Außerdem haben wir schon mit 260 Eltern ein telefonisches Interview durchgeführt.

Mit Ihnen gemeinsam hoffen wir auf eine erfolgreiche Beendigung der Untersuchungen in der zweiten Jahreshälfte 2013. Um keinen Teilnehmer aus den Augen zu verlieren, bitten wir Sie herzlich uns Namens- und Adressänderungen mitzuteilen.

Wir würden gerne mit Ihnen persönlich besprechen, ob und wie eine Teilnahme für Sie an der Studie möglich ist. Unser Ziel ist es, den Kontakt zu allen Probanden und deren Eltern herzustellen. Allen, die sich bislang noch nicht zu einer aktiven Mitarbeit
am IV. Studiendurchlauf der Bayerischen Entwicklungsstudie haben entschließen können, bitten wir Kontakt mit dem Bonner Studienbüro aufzunehmen.

Bitte melden Sie sich im Bonner Studienbüro, auch wenn Ihnen eine aktive Teilnahme diesmal nicht möglich ist!!

Und, wie war´s…?

Wir haben einen Teil der Probanden und Eltern gefragt, wie sie die Untersuchungen im Rahmen der Studie erlebt haben. Hier möchten wir Ihnen die Rückmeldungen vorstellen, die zeigen, wie unkompliziert die Abläufe der Untersuchersuchungen sind. Wir hoffen damit vielleicht den einen oder anderen noch zur Mitarbeit zu motivieren.

 

Hallo liebes B.E.S.T.-Team,

ich hatte am Sonntag meinen MRT-Termin in Bonn. Alles war super, und ich wollte mal „danke“ sagen. Die Unterbringung in der Jugendherberge war schön und gemütlich, Bonn ist wirklich eine Reise wert und den Untersuchungstag fand ich sehr interessant. Ich hoffe, sie können mit den gewonnen Daten von mir „was anfangen“ :).

Außerdem wollte ich mich mal bedanken, dass der Kontakt mit Ihnen, ob am Telefon oder via E-Mail immer hilfreich und nett war. Behalten Sie das bei, ja? 🙂

Wenn es Ergebnisse zu den MRT-Untersuchungen gibt, dann kann ich diese auf Ihrer Homepage im Laufe des Jahres 2013 finden und lesen oder wird man als Proband sogar darüber informiert, was rausgekommen ist?

Die Unterlagen für die Fahrtkostenerstattung, für den MRT-Termin in Bonn am vergangenen Wochenende, habe ich heute zur Post gebracht. Könnten Sie mir den Empfang wieder bestätigen? Danke.

Liebe Grüße aus Berlin,

 

Liebes Team,

Ich bereue keine einzige Minute die ich mit euch verbracht habe.

Ich war rundum zufrieden.

Bin auch sehr dankbar für das MRT, da bei mir eine Zufalls Diagnose festgestellt wurde. Die hat sich Gott sei Dank zum positiven entwickelt.

Es waren alle superfreundlich und die Atmosphäre war entspannt.

Vielen Dank für alles!

Liebe Grüße

 

Sehr geehrte Frau van Rossum,

 die Studie war echt interessant. Ich hab mich mit meinem Interviewer – weiß den Namen leider nicht mehr – mittags unterhalten was da an Ergebnissen abgeleitet wird.

Und auch für mich persönlich war’s recht interessant. Die Fragen waren ja zum Teil recht persönlich und haben mich hin und wieder schon grübeln lassen. Also wenn’s wieder mal wäre…mir hat’s Spaß gemacht.

Gerne wieder 🙂

 Liebe Grüße aus dem Inntal

 

Guten Tag Frau van Rossum,

das Interview ist zwar schon gut 1,5 Jahre her, ich habe die Atmosphäre in diesem alten Gebäude in Augsburg, als auch meine Interviewerin Anfang 30, als sehr entspannt, gewiss auch humorvoll wahrgenommen. Die Tests waren gut im zeitlichen Rahmen zu bewältigen. Leider war die Kost im Krankenhaus kaum genießbar. Die Erklärungen waren dem Rahmen entsprechend gut. Die Geschichte im März letzten Jahres in München beim Kernspin Test war  im Dienste der Wissenschaft. Leider musste ich wegen eines Fehlers meinerseits 1 h im Gerät verwahren. Das einzige als Nachteil zu empfindende, waren Kopfschmerzen bei meiner Person. Die Studie ist auf einem guten Weg, ich muss Ihnen gestehen ich habe jetzt als Erwachsener lieber mitgemacht als früher als Kind, meine Eltern mussten mich früher immer mit MC Donalds nach München locken.

 

Grüß Gott Frau van Rossum,

mit großem Interesse habe ich damals mit meiner Tochter an der Entwicklungsstudie teilgenommen. Deshalb bin ich auch heute noch sehr interessiert und wenn sich die Gelegenheit zu einer Teilnahme bietet… gerne!!

Bitte richten Sie Frau Dr. Busch aus, dass sie mich anrufen kann.

Es wäre allerdings ganz gut, wenn wir einen festen Termin vereinbaren könnten, da ich ganztags berufstätig bin.

Vielen Dank und viele Grüße nach Bonn

Im Namen des gesamten BEST-Teams grüßen aus dem Bonner Studienbüro herzlich

 

Prof. Dr. Dr. Peter Bartmann                                      Dr. Barbara Busch

 

Dipl. -Soz. Arb. Christian Koch                                   Dipl. Psych. Claudia Grünzinger